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Das Ehrenmal mit Kreuz (ehemals)

Lage des Ehrenmals

Breitengrad: 50° 7' 34.9" N

Längengrad: 8° 19' 12.4" E

Betritt man den Auringer Friedhof durch dessen südlichen Eingang, so liegt rechts, noch vor der Friedhofsmauer das alte Ehrenmal [!!!Link zur Seite mit der Beschreibung des alten Ehrenmals]. Biegt man an der ersten Wegeskreuzung nach links ab, so erreicht man nach wenigen Schritten das neue Ehrenmal, das sich nach links entlang der westlichen Mauer bis zur südlichen Mauer erstreckt.

Namensplatten links des Weges

Eine Namensplatte

Namensplatten rechts des Weges

Beschreibung

Vom Weg abgegrenzt wird das Ehrenmal von einer Stufe, deren Trittfläche aus unregelmäßig geformten Bruchsteinen gebildet wird. Über sie gelangt man auf einen etwa 3,20 m breiten Weg.

Das Ehrenmal besteht im Gegensatz zu dem alten Ehrenmal außerhalb der Friedhofsmauern nicht nur aus einem Solitär, sondern ist als offene Anlage gestaltet. Sie ist Teil der Friedhofsfläche und besteht aus den Namensplatten der Gefallenen und Vermissten sowie einem altarähnlichen Quader. Dieser Quader befindet sich unmittelbar vor der südlichen Friedhofsmauer. Zu ihm führt ein zunächst etwa 3,20 m breiter Weg parallel zur westlichen Friedhofsmauer, den man über eine Stufe betritt. Ihre Trittfläche wird aus unregelmäßig geformten Bruchsteinen gebildet. Durch diese Stufe wird das Ehrenmal ein wenig von seiner Umgebung hervorgehoben, ansonsten gibt es keine weiteren Abgrenzungen zu der restliche Friedhofsanlage.

Links und rechts dieses Weges befinden sich die Namensplatten. Sie haben einen Abstand von jeweils etwas weniger als 1 m zueinander und sind symmetrisch zu dem Weg in die Erde eingelassen. Die Platten haben eine Größe von 30 cm auf 40 cm und eine Dicke von etwa 4 cm. Auf ihnen sind die Namen und das Geburtsjahr der Geehrten eingraviert. Handelt es sich dabei um Gefallene, so ist auch deren Todesjahr eingraviert. Das Material ist sogenannter Anröchter Stein, ein grau-grüner Kalkstein, der oft (auch im Briefverkehr zwischen Gemeinde und Steinmetz anlässlich der Errichtung des Ehrenmals) auch "Anröchter Dolomit" genannt wird.

Nach etwa 10 m und elf Namenstafeln verjüngt sich die Breite des Weges auf etwa 2m, der Breite des Quaders, auf die er zuläuft. Auf der nun etwas breiter gewordenen Fläche rechts und links sind nun die Namenstafeln in zwei Reihen angeordnet, jeweils vier in jeder Reihe, so dass es insgesamt 38 Namenstafeln sind.

Quader von vorn

Rost an den Lettern

Neigung des Quaders (rechte Seite)

Der Quader am Ende des Weges besteht aus einem Betonfundament, auf dem ein Schichtmauerwerk aus Neuhöfer Bruchsteinen mit Hinterbeton errichtet wurde. Er hat eine Grundfläche von 200 cm auf 70 cm. Da sich der Quader ungleichmäßig gesenkt hat, ist er auf der einen Seite etwa 88,5 cm, auf der anderen etwa 84,5 cm hoch. Man beachte die Gasblase in der Libelle der Wasserwaage auf dem rechten Bild oben!. Nach oben wird er abgeschlossen von einer rechteckigen Abdeckplatte, die wie die Namensplatten aus Anröchter Stein besteht. Sie besteht aus zwei gleichgroßen Teilen von einer Größe von jeweils 105 cm auf 80 cm und einer Dicke von 5 cm. Diese beiden Platten liegen so nebeneinander, dass sie in der Mitte des Quaders zusammenstoßen. In der Mitte dieser Platte stand bis 2019 ein Kreuz aus Kupferblech mit quadratischem Querschnitt der Balken, siehe erstes Foto. Da sich dieses Kreuz im Laufe der Zeit immer weiter nach vorn neigte, wurde es entfernt und bis jetzt (Stand Oktober 2019) nicht wieder errichtet. Dadurch bietet das Ehrenmal einen unvollständigen Eindruck. An der Stelle, an der das Kreuz auf der Platte stand, ist heute nur noch ein quadratischer Ausschnitt mit durchgerosteter Umrandung zu sehen. Wohl bedingt durch die Hebelwirkung des schiefen Kreuzes, sind Risse in den Abdeckplatten entstanden.

An der dem Weg zugewandten Seite ist am Quader in lateinischer Schrift der Schriftzug "UNSEREN TOTEN" angebracht (siehe oberes Bild). Er besteht aus eisernen Buchstaben, die wohl verzinkt wurden und mit rückwärtig angebrachten Stiften so am Quader angebracht sind, dass sie von diesem ein paar Zentimeter Abstand haben. An einigen Stellen ist die Verzinkung derart beschädigt, dass dort Roststellen zu sehen sind.

Quader ohne Kreuz (aktuell)



Rest des Kreuzes

geneigtes Kreuz vor Demontage

Risse in der Abdeckplatte





Folgend ist die Liste aller Namenstafeln mit den Namen und Geburts- sowie bei den Gefallenen auch das Gefallenenjahr. Die Kürzel für die Lage (z. B. "L.12.1") sind wie folgt zu interpretieren:


L:  links (bzw. rechts bei "R") des Weges zum Quader hin,

12: zwölfte Tafel vom Beginn des Weges an gezählt,

1:  erste (bzw. zweite bei "2") Reihe.


Name

Vorname

Geburtsjahr

Gefallenenjahr

Position

Baum

Richard

1908

1945

L.1.0

Bergmann

Rudolf

1912

1942

L.2.0

Dauber

Herrman

1909

1945

L.3.0

Deuker

Emil

1915

1945

L.4.0

Dörr

Reinhard

1906

1945

L.5.0

Fay

Emil

1922

1945

L.6.0

Fluck

Hans

1924

1942

L.7.0

Gibuns

Josef

1908

vermisst

L.8.0

Grüger

Richard

1909

vermisst

L.9.0

Hanke

Herbert

1916

vermisst

L.10.0

Häuser

Erwin

1909

1941

L.11.0

Lieser

Heinz

1921

vermisst

L.12.0

Lehmann

Ernst

1911

1945

L.12.1

Kloy

Kurt

1920

vermisst

L.13.0

Lendle

Hermann

1922

vermisst

L.13.1

Kammerer

Heinrich

1904

1945

L.14.0

Kling

Ernst

1921

vermisst

L.14.1

Kranich

Karl

1914

1944

L.15.0

Fritz

Rudi

1924

1946

L15.1

Lieser

Robert

1899

1945

R.1.0

Lieser

Rudolf

1908

vermisst

R.2.0

Öhler

Emil

1920

vermisst

R.3.0

Öhler

Rudolf

1917

1942

R.4.0

Pankratz

Erwin

1923

1943

R.5.0

Pfeifer

August

1908

vermisst

R.6.0

Potsch

Johann

1911

1942

R.7.0

Rieser

Gustav

1922

1944

R.8.0

Rieser

Martin

1906

1943

R.9.0

Rös

Walter

1922

1943

R.10.0

Ruf

Moritz

1908

vermisst

R.11.0

Sparwasser

Arnold

1926

1944

R.12.0

Schreiner

Gustav

1898

1945

R.12.1

Ruf

Wilhelm

1901

vermisst

R.13.0

Kloy

Gerhard

1922

1944

R.13.1

Sparwasser

Heinrich

1922

vermisst

R.14.0

Stamm

Friedrich

1921

1944

R.14.1

Zollmann

Ewald

1915

1944

R.15.0

Lupprich

Edmund

1908

1943

R.15.1

Informationen zum Dienstgrad der Gefalenen und Vermissten findet man hier in [DEPRO]: http://www.denkmalprojekt.org/2018/auringen_stadt-wiesbaden_1870_wk1_wk2_hs.html. Dabei handelt es sich um die Personen, die auf den Platten des äußeren Ehrenmals eingraviert wurden. Ein Abgleich mit den Namen des hier beschriebenen Ehrenmals muss ich noch durchführen (FIXME).

Geschichte

Wie auch beim alten Ehrenmal findet man in Auringen selbst kaum Informationen zur Geschichte dieses Ehrenmals, insbesondere auch zum Ablauf seiner Erstellung. In [WIDE]: https://www.friedhoefe-wiesbaden.de/friedhof-auringen, wo das Ehrenmal als "inneres Ehrenmal" bezeichnet wird, erhält man lediglich eine kurze Beschreibung, aus der man aber immerhin entnehmen kann, dass das Ehrenmal eine denkmalgeschützte Anlage ist ("Das innere Ehrenmal in Form eines Kreuzes bleibt mit den Steinplatten zum Gedenken an die Gefallenen des Zweiten Weltkrieges als denkmalgeschützte Anlage erhalten").

Im Stadtarchiv der Stadt Wiesbaden jedoch befinden sich hierzu zahlreiche Unterlagen, die zumindest eine teilweise Rekonstruktion des Ablaufs seiner Entstehung zulassen [SAW_AUR_76]. Dabei ist den Schreiben des Bürgermeisters dessen Namen nie in Klarschrift zu entnehmen; dessen Unterschrift lässt auch keinen eindeutigen Rückschluss darauf zu. Da aber im ältesten hier vorliegenden Dokument (Einladung zur Aussprache über die Errichtung eines Kriegerehrenmales vom 2. Mai 1958, siehe unten) der Bürgermeister mit dem Namen "Schwab" unterzeichnet hat und in der Beschreibung der Einweihung des Ehrenmales im Amtsblatt des Main-Taunus-Kreises (siehe unten) der Name des Bürgermeisters auch mit "Schwab" angegeben ist, so kann man davon ausgehen, dass es sich bei dem Bürgermeister immer um den Herrn Schwab gehandelt hat.

Dieser, leider unvollständige, Briefverkehr zeigt, dass die Errichtung dieses Ehrenmals für die Gemeinde kein einfaches Unterfangen war und sowohl in administrativer als auch in finanzieller Sicht die Gemeinde vor Herausforderungen stellte, die diese aber alle selbstständig bewältigen konnte.

02.05.1958: Einladung zur Aussprache über die Errichtung eines Ehrenmales durch den Bürgermeister Schwab an Gemeindevertreter, Beigeordnete und Vorstände der Vereine,

08.03.1961: Angebot der Firma "Scheu & Faxel, Marmor- und Natursteinwerk" in Diez/Lahn über die Lieferung von Gedenktafeln.

15.03.1961: Beschluss der Gemeindevertretung zur Errichtung eines Ehrenmales.

16.03.1961: Bekanntmachung einer Liste mit den Namen und dem Geburtsjahr der Gefallenen und Vermissten sowie das Gefallenenjahr der Gefallenen. Es ergeht die Bitte, diese Liste zu ergänzen, wenn dort Namen fehlten. Die Liste enthält die Namen von 17 Gefallenen und 11 Vermissten.

28.03.1961: Der Bürgermeister beauftragt die Firma Scheu & Faxel mit der Lieferung der Namestafeln aus Anröchter Dolomit in der Größe von 30 cm * 40 cm, einer Dicke von 3 cm bis 4 cm und geschliffener Oberfläche. Auf der Liste mit den Namen der Gefallenen enthält die Namen von 19 Gefallenen und 12 Vermissten. Auf den Tafeln sollen die Namen und das Geburtsjahr sowie bei den Gefallenen das Gefallenenjahr eingesetzt werden,

28.04.1961: Schreiben des Bürgermeisters an die Firma Scheu & Faxel, in dem es um eine Abdeckplatte für das Ehrenmal geht: Sie soll aus demselben Material gefertigt werden wie die Namenstafeln, eine Detail-Zeichung liege bei. Diese Zeichnung ist nicht in den Unterlagen des Stadtarchivs vorhanden. Es gibt aber auf der der Auftragsbestätigung für die Namenstafeln durch die Firma Scheu & Faxel vom 4.4.1961 eine handschriftliche Skizze, welche die Abdeckplatte darstellen könnte. Dort ist auch schon in der Mitte ein quadratischer Ausschnitt erkennbar, bei dem es sich um die Aussparung handeln könnte, die zur Aufnahme des Kreuzes diente, welches bis 2019 das Ehrenmal zierte.

04.04.1961: Bestätigung des Auftrages zur Lieferung von 30 Gedenkplatten aus "Anröchter Dolomit" durch die Firma Scheu & Faxel in Diez/Lahn: " 30cm x 40 cm Größe, 3cm - 4cm Stärke, eingravierte Namen.

09.04.1961: Die Firma Robert Lehrmann Gartengestaltung, Naurod, sendet einen Kostenvoranschlag über die gärtnerische Gestaltung der "neuen Gedenkstätte",

Mai 1961: Der Bürgermeister versendet Schreiben an Angehörige der Gefallenen mit der Bitte um Kostenbeteiligung.

26.05.1961: Brief des Bürgermeisters an den Landrat des Main-Taunus-Kreises mit der Bitte um Erlaubnis zum Durchführen einer Geldspendensammlung zur Finanzierung der Ehrenstätte,

03.06.1961 bis 10.11.1961: Mehrfache Nachbestellung von Namenstafeln für hinzugekommene Namen.

07.08.1961: Brief des Landrates an den Bürgermeister mit der Ablehnung des Antrages und dem Hinweis, dass diesem näher getreten werde könne, wenn "sich aus dem Gemeindemitgliedern und den ortsansässigen Vereinen bildet, welches die Sammlung durchführen will. Das Kuratorium muss aus seiner Mitte ein für die Sammlung, deren Durchführung und Abrechnung  verantwortliches Mitglied bestimmen",

11.08.1961: Schreiben der Handwerkskammer an den Gemeindevorstand Auringen. Darin wird Bezug genommen auf ein Schreiben der Gemeindeverwaltung vom 12.07.1961, in dem diese um Prüfung der Rechnung der Firma "Walter Schreiner, Naurod" in preislicher Hinsicht gebeten hatte. Die Rechnung war im Anhang des Schreibens aus Auringen, ist aber nicht in den Unterlagen des Stadtarchivs vorhanden. Auch fehlt ein Nachweis über die Beauftragung der Firma Walter Schreiner.

01.08.1961: Schreiben der Firma "Gebrüder Toffolo, Wiesbaden" an die Handwerkskammer Wiesbaden. Darin werden die Leistungen der Firma "Walter Schreiner, Naurod" bei der Erstellung des Ehrenmals und deren berechnete Kosten begutachtet. Letztere werden zu Teilen als zu hoch eingestuft. Aus diesem Gutachten kann entnommen werden, dass durch die Firma Walter Schreiner der zentralen Teil des Ehrenmal, nämlich der altarähnliche Quader (ohne Abdeckplatte) errichtet wurde. Er besteht demnach aus einem Betonfundament, auf dem ein Schichtmauerwerk aus Neuhöfer Bruchsteinen mit Hinterbeton errichtet wurde.

21.08.1961: Zweiter Antrag, diesmal mit Liste der Kuratoriumsmitglieder, Verantwortlicher: Dieter Beltz, Sammlungszeitraum: 6.10 bis 15.10.1961.

31.10.1961: Genehmigung der Durchführung des Geldspendensammlung durch den Landrat mit der Auflage, Nachweise über die zweckgebundene Verwendung bis zum 15.11.1961 dem Landrat in doppelter Ausführung vorzulegen,

02.11.1961: Bitte des Bürgermeisters an den Vorsitzenden des Turn- und Sportvereins, an der geplanten Einweihungsfestlichkeit mit dem Trommlerchor des Vereins teilzunehmen.

06.11.1961: Bescheinigung der Gemeindeverwaltung Auringen über die Ablieferung von 1678,80 DM an die Gemeidekasse.

15.11.1961: Senden der geplanten Programmfolge der Einweihungsfeierlichkeiten an den Landrat.

19.11.1961 (Volkstrauertag): Einweihung des Ehrenmales.


Ohne schriftlichen Nachweis:

Unterlagen über eine evtl. Genehmigung des Baus des Ehrenmales liegen nicht vor.

Unterlagen über das Kreuz, das einst auf dem Quader stand, liegen nicht vor. Es wird aber bereits in der Rede des Landrats Dr. Wagenbach bei der Einweihung des Ehrenmals erwähnt ("..das Kreuz, das es überragend schmückt...). Gemäß einer mündlichen Mitteilung von K. Lehmann hat die Firma Ohl, Auringen, das Kreuz angefertigt.



Einladung zur Aussprache über das zu errichtende Ehrenmal




Programmfolge der Einweihung

Bericht über die Einweihung im Amtsblatt

Aktuelles

Noch immer ist das Kreuz abgenommen und der oben beschriebene Zustand aktuell. Da das Kreuz einst die Friedhofsmauer überragte, konnte man die Lage des Ehrenmals bereits von außerhalb des Friedhofs erkennen und es leicht finden. Dies ist nun nicht mehr möglich. Es stellt ich die Frage nach einer Stellungnahme der zuständigen Denkmalschutzbehörde (Die Anlage ist nach Angabe in [WIDE]: https://www.friedhoefe-wiesbaden.de/friedhof-auringen denkmalgeschützt, siehe oben "Geschichte"). Dass das Ehrenmal immer noch von Besuchern frequentiert wird, erkennt man an den immer wieder erneuerten Dekorationen (Blumen, Kerzen etc.)


Quellen

[SAW_AUR_76]: Stadtarchiv Wiesbaden, Signatur Best. AUR Nr. 76, „Errichtung eines Ehrenmals für die Gefallenen und Vermißten des Zweiten Weltkriegs“ 1958–1962

[WIDE]: https://www.friedhoefe-wiesbaden.de/friedhof-auringen

[DEPRO]: http://www.denkmalprojekt.org/2018/auringen_stadt-wiesbaden_1870_wk1_wk2_hs.html

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