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Gesamtansicht des Ehrenmals von vorn

Lage des Ehrenmals

Breitengrad: 50° 7' 35.205" N

Längengrad: 8° 19' 13.278" E

Dasn Ehrenmal befindet sich in der kleinen Grünanlage vor dem südlichen Eingang des Auringer Friedhofs.

Jahr der Errichtung

1896

Beschreibung

Das etwa 6m hohe Ehrenmal ist als Obelisk mit Sockel gestaltett. Er ist bis auf die angebrachten Reliefs aus gelbem Sandstein gefertigt.

Auf ein quadratisches Fundament aus Beton folgt der in drei unterschiedlich hohen Stufen zurückspringende unterste Teil des Sockels. Er trägt den quaderförmigen Hauptteil, der wiederum von einem nun nach außen springenden Oberteil abgeschlossen wird. Dieser wird begrenzt durch einen einfachen, um alle vier Seiten laufenden, nur leicht hervortretenden Fries. Er besteht aus einem einfachen Band, das sich in den Seitenmitten in Form eines Halbkreises nach oben wölbt. An den Ecken wiederholt sich diese Wöbung, reicht jedoch nur noch bis zur Ausbildung eines Viertelkreises, der im Scheitel den Viertelkreis-Bogen des benachbarten Frieses  berührt. Dadurch entsteht jeweils an den Ecken ein kleiner Akroter. Darüber erhebt sich der Obelisk, über den ein nach aus Sicht des Denkmals links blickender Bronzeadler thront, der seine Schwingen weit ausbreitet.

Die folgenden Abbildungen zeigen die vier Seiten des Sockels mit Inschriften (links) und deren deren Beschriftung in Klarschrift (rechts).

Vorderseite des Sockels:

Vorderseite des Sockesl




An dem glorreichen Feldzug 1870/71

haben Theil genommen

Arheilger Philipp    †

Braun   Karl            †       24.03.1871 zu Mainz

Fritz   Theodor         †

Guckes  Louis           †

Häuser  Philipp         †

Lieser  Christian Peter

Lieser  Philipp         †

Rieser  Adolf           †

Rieser  Otto            †

Rös     Philipp         †       28.03.1882

Ruf     August          †       06.02.1891

Ruf     Georg           †

Ruf     Joh. Georg Dav. †       08.10.1870 zu Meaux

Ruf     Louis           †       01.01.1873

Weyershäuser      Moritz


Hinterseite des Sockels:


Hinterseite des Sockels

Der Weihe übergeben

am

19. Juli 1896




Rechte Seite des Sockels:


Rechte Seite des Sockels

Es starb

den Heldentod

Joh. Georg Dav. Ruf


Linke Seite des Sockels:


Linke Seite des Sockels

Dieses Denkmal stiftete

dem Krieger- u. Militär-Verein

zu Auringen,


zur Erinnerung an die 25jährige Wiederkehr

des Todestages

seines zu Meaux bei Paris

ruhenden Freundes

Joh. Georg Dav. Ruf,

Friedrich Stamm


In knapp halber Höhe der Vorder- und der aus Sicht des Denkmals rechten Seite befinden sich Bronzereliefs. Das Relief auf der Vorderseite besteht aus einem leicht länglichen Oval. In einem Lorbeerkranz zeigt es das nach links blickende Portait Wilhelm I., König von Preußen und Deutscher Kaiser. Direkt darüber sitzt eine Krone. Sie besteht aus vier Bügeln, in deren Treffpunkt sich ein Reichsapfel befindet. Der vordere Bügel endet auf einer Bildplatte, die ein Kreuz zeigt. Die Motive der beiden benachbarten Bildplatten könnten Adler sein. Daraus kann man schließen, dass es sich bei dieser Krone um die Kaiserkrone des Deutschen Kaisers von 1889 handelt, die aber nie ausgeführt wurde und nur als Holzmodell existierte. Das Relief auf der rechten Seite ist in Form, Aufbau und Größe dem soeben beschriebenen gleich. Es zeigt Friedrich III., der nach vorne blickt. Auf der linken Seite fehlt ein solches Relief. Es sind jedoch Spuren eines solchen vorhanden.

fehlendes Relief links

An allen vier Seiten lehnen schwarze, polierte Gedenktafeln aus Granit, auf welchen die Namen von Gefallenen oder Vermissten der beiden Weltkriege eingetragen sind. Dabei stand die Gedenktafel für die Toten 1. Weltkriegs ursprünglich in der Auringer Kirche. Die Gedenktafeln der Toten des 2. Weltkriegs standen zuvor in der Trauerhalle des Auringer Friedhofs.

Die folgenden Abbildungen zeigen die Gedenktafeln (links) und deren Beschriftung in Klartext (rechts).

Platte vorn:

Platte vorn
















Unseren im Weltkrieg 1914-1918

gefallenen Kameraden gewidmet

Krieger-Militär-Verein Auringen


Emil Ruf     † 28.12.1914

Karl Seelgen † 13.02.1915

Hans Lauth   † 25.03.1915

Hermann Lieser † 15.05.1915

Otto Lieser  †  05.06.1915

Wilhelm Schmidt †21.07.1915

Hermann Ruf   † 21.08.1915

Christian Schreiner † 30.09.1915

Karl Fritz    † 16.04.1916

Christan Fluck † 28.04.1916

Adolf Rieser † 04.08.1916

Adolf Zahn   † 13.08.1916

Ludwig Karl  † 03.09.1916

Emil Schmitt † 21.09.1916

August Schuhmacher † 12.10.1916

Heinrich Weyershäuser † 26.11.1916

Philipp Seelgen  † 25.03.1918

Moritz Lendle  † 13.07.1918

Ferdinand Lieser † 07.10.1918

Adolf Braun     vermisst


Platte hinten:

Platte hinten

Kriegsopfer von Angehörigen

Heimatvertriebener welche nach Kriegsende

eine neue Heimat in Auringen gefunden haben

Emil Öhler geb. 1920 vermisst

Rudolf Öhler geb. 1917 gef. 1942

Erwin Pankratz geb. 1933 gef. 1943

Johann Potsch geb. 1911 gef. 1942

Gerhard Kloy geb. 1923 gef. 1944

Kurt Kloy geb. 1920 vermisst

Eduard Lupprich geb. 1903 gef. 1943

Karl Kranich geb. 1914 gef. 1944

Heinrich Kämmerer geb. 1904 gef. 1945

Herbert Hanke geb. 1916 vermisst

Richard Grüger geb. 1909 vermisst

Josef Gibbons geb. 1908 vermisst

Rudolf Bergmann geb. 1912 gef. 1942


Platte rechts:

Platte rechts

Gefallene und Vermisste aus Auringen

im 2. Weltkrieg 1939 - 1945


Erwin Häuser geb. 1909 gef. 1941

Hans Fluck geb. 1924 gef. 1942

Walter Rös geb. 1922 gef. 1943

Emil Deuker geb. 1915 gef. 1944

Gustav Rieser geb. 1922 gef. 1944

Friedrich Stamm geb. 1921 gef. 1944

Arnold Sparwasser geb. 1925 gef. 1944

Reinhard Dörr geb. 1903 gef. 1945

Martin Rieser geb. 1906 gef. 1943

Eduard Schreiner geb. 1898 gef. 1945

Ewald Zollmann geb. 1915 gef. 1944

Hermann Dauber geb. 1909 gef. 1945

Karl Heberle geb. 1906 gef. 1945

Rudi Fritz geb. 1924 gest. 1946


Platte links:

Platte links

Gefallene und Vermisste aus Auringen

im 2. Weltkrieg 1939 - 1945


Richard Baum geb. 1908 def. 1945

Ernst Lehmann geb. 1911 gef. 1944

Wilhelm Ruf geb. 1901 verm. 1944

Heinrich Sparwasser geb. 1923 verm. 1943

Moritz Ruf geb. 1905 verm. 1943

Hermann Lendle geb. 1922 verm. 1944

Ernst Kling geb. 1921 verm. 1944

Rudolf Lieser geb. 1908 verm. 1944

Emil Fey geb. 1908 verm. 1945

August Pfeifer geb. 1921 verm. 1944

Heinz Lieser geb. 1921 umgek. 1945

Robert Lieser geb. 1899 umgek. 1945

Eduard Baum geb. 1878 umgek. 1945


In [DEPRO] findet man zu den Gefallenen und Vermissten des zweiten Weltkriegs weitergehende Informationen (falls vorhanden), wie Dienstgrad und Todesort sowie Begräbnisstelle. Ältere  Aufnahmen aus der Zeit vor der Restaurierung findet man in [DEM1] bis [DEM4]. In [DEM] findet man die Inschriften auf den Seiten des Ehrenmals.


Geschichte

Anlass für die Errichtung dieses Ehrenmals war der 25. Jahrestag das Todes des Auringers Johann Georg David Ruf, der im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 gestorben war. Die Auringer Chronik vermerkt hierzu:


Auszug aus der Auringer Chronik ([RUF87]):

Transskription der linken Seite:

Auringer Chronik, Seite 87

Die Teilnehmer aus Aurigen an diesem glorreichen Feldzug waren:


<Es folgt eine Liste mit Namen, die aber etwas von der Liste an der Vorderseite des Quaders abweicht>


Von den Genannten standen währden des Feldzuges in Landesgarnisonen: Lieser Christian, Rieser Adolf und Rös Philipp. Die übrigen nahmen je nach Truppenteil mehr oder weniger Teil an den Gefechten und Besetzungen der königlichen Armee (Anm.: Da das Deutsche Reich erst im Anschluss an diesen Krieg gegründet und Wilhelm I. zum Deutschen Kaiser ausgerufen wurde, handelte es sich auf deutscher Seite bei den Armeen um die Armeen selbstständiger Staaten, im Falle Auringens um Preußen, an dessen Spitze König Wilhelm I. stand) und haben auch sie mitgeholfen zu den Erfolgen von Weißenburg, Wörth, Sedan und Paris.)


Ein Opfer des Krieges hatte die Gemeinde zu beklagen (,) der Kanonir Ruf Joh. Georg starb in Folge von Krankheit (Ruhr) im Feldlazareth zu Meaux bei Paris und ruht er dort in fremder Erde. Alle übrigen kehrten wieder heil zurück.


Johann Georg David Ruf war ein Freund des Bauunternehmers Friedrich Stamm. Im März 1896 stellte Friedrich Stamm beim Landratsamt in Wiesbaden das Gesuch zum Errichten dieses Ehrenmals. Aus diesem Schreiben und dem anschließenden Briefwechsel ([HHSTAW]) ist ersichtlich, dass dieses Kriegerdenkmal nicht unumstritten war und zur Ausbildung "einer großen Parteiung" zwischen Kriegerverein und Ortsbehörde und zu einem "demnächstigen Wechsel in der Bürgermeisterstelle" führte ([RUF94]). Schließlich konnte das Denkmal errichtet und am 11. Juli feierlich eingeweiht werden ([RUF94].


Antrag des Friedrich Stamm zu Errichtung des Ehrenmals:


Transskription des Antrags:

Antrag auf Genehmigung des Ehrenmals

Wiesbaden, den 13. März 1896


Gesuch des Bauunternehmers

Friedr. Stamm

zu

Wiesbaden


Bitte ganz ergebenst Hochwohl. Königl. Landratsamt mir die Errichtung eines Kriegerdenkmals zu Auringen genehmigen zu wollen. Dasselbe soll an die Straße die nach Naurod führt dicht an das Dorf zustehen kommen.

Da ich schon viele Schwierigkeiten zu überwinden hatte die die Ausführung des Denkma[l]s verzögerten möchte ich Königl. Landratsamt bitten, die große Güte zu haben und mir das Projekt bald gef. genehmigen zu wollen.


Fr. Stamm

Bauunternehmer

Adelheidstr 68


Auszug aus der Auringer Chronik ([RUF94):


Transskription des letzten Absatzes der linken Seite:

Auringer Chronik, Seite 94

Das Jahr 1896 war für Auringen ein Jahr der Feste. Am 7. und 8. Juni feierte der Turnverein Fahnenweihe und am 11. Juli fand die Einweihung des von Rentner Friedrich Stamm dem Krieger= und Militärverein Auringen gestifteten Kriegerdenkmales statt. Um diese Zeit hatte sich hier eine große Parteiung ausgebildet, welche vornehmlich durch einen Streit zwischen dem Kriegerverein und der Ortsbehörde wegen dem Kriegerdenkmal besonders genährt wurde und gereichte dieser Zwist dem D[o]rfe keinesfalls zum Segen und war die Grundursache zu dem demnächstigen Wechsel in der Bürgermeisterstelle.




Das folgende Bild zeigt zur Einweihung des Denkmals anwesende Ehrenjungfrauen und Mitglieder des Auringer Militärvereins. Es wurde freundlicherweise von K. Lehmann zur Verfügung gestellt:

Einweihung des Ehrenmals


Der Standort lag zunächst an der Einmündung der Straße „Am Weinberg“ in die Kaiserstraße (heute Nauroder Straße). Nach dem Kriege wurde es verlegt an die Stelle, an der heute die Georg-Rieser-Straße in die Nauroder Straße einmündet, etwas weiter südlich des heutigen Standortes. Im Rahmen der Erschließung des Neubaugebietes nördlich des Ortskernes musste es der Georg-Rieser-Straße weichen. Es wurde demontiert und vor dem Friedhof abgelegt und danach am heutigen Standort wieder errichtet. (Siehe hierzu [DEM1]. Aus diesem Foto geht auch hervor, dass sich die Gedenktafel für die Gefallenen und Vermissten des ersten Weltkriegs bereits vor dem Beschluss des Auringer Ortsbeirates an der Vorderseite des Denkmals angebracht war.).

Im Jahr 2015 beschloss der Auringer Ortsbeirat eine Sanierung des Denkmals und seine Erweiterung um die Namestafeln der Gefallenen und vermissten des zweiten  Weltkriegs. Letztere befanden sich bis dahin in der Trauerhalle des Auringer Friedhofs. Im Rahmen dieses Beschlusses wurde auch die Grünanlage, auf dem das Denkmal steht neu angelegt, Sitzbänke um das Denkmal installiert und eine Hinweistafel angebracht [WK].


Hinweistafel am Ehrenmal:

Hinweistafel am Ehrenmal

Anm.: Wie man der Inschrift auf der linken Seite des Sockels (s. o.) entnehmen kann, war der Anlass der Errichtung nicht die Erinnerung an den Krieg 70/71, sondern die Erinnerung an die 25-jährige Wiederkehr des Todestages von Johann Georg David Ruf.

:

Anlässlich des Volkstrauertages wird jedes Jahr ein Kranz der Landeshautpstadt Wiesbaden an diesem Ehrenmal aufgestellt:

Kranz der Stadt Wiesbaden (Volkstrauertag 2018)

Aktuelles:

Das fehlende Relief auf der linken Seite des Ehrenmals (siehe oben) kam wahrscheinlich abhanden, als das Ehrenmal wegen des Baus der Georg-Rieser-Straße demontiert und vor dem Friedhof abgelegt wurde. Es liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei dem Relief um das Portrait Wilhelms II. handelt, der zum Zeitpunkt der Erstellung  bereits fast 8 Jahre König von Preußen und Deutscher Kaiser war. Allerdings gibt es hierfür keine Unterlagen. Über eine Wiederherstellung dieses Reliefs gab es bereits intensive Diskussionen im Ortsbeirat und es wurde beschlossen, mit einer Entscheidung zu warten, bis zur Klärung, wen das Relief darstellt; siehe [WK].

Für Hinweise, die zur Klärung dieses Sachverhalts führen, ist der Verfasser dankbar. Gerne kann dazu die Kommentarfunktion am Ende dieser Seite genutzt werden.

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